Future Voices
Warum es dieses Projekt braucht
Jugendliche und junge Erwachsene befinden sich in der intensivsten Phase der Identitätssuche ihres Lebens. Das eigene Ich rückt zwangsläufig in den Mittelpunkt — nicht aus Selbstbezogenheit, sondern weil genau das die Aufgabe dieser Lebensphase ist. Wer in dieser Zeit das Gefühl bekommt, wirklich gehört zu werden, trägt das ein Leben lang mit sich. Wer es nicht bekommt, auch.
Und die Zeit macht es dieser Generation nicht leicht. Das Engagement junger Menschen ist gestiegen — von 22 % im Jahr 2002 auf 37 % im Jahr 2024 —, gleichzeitig ist das Vertrauen in Institutionen spürbar angeschlagen. Viele berichten von Erschöpfung, Selbstzweifeln und Antriebslosigkeit; jede vierte Person sieht bei sich selbst Behandlungsbedarf. Fast durchgehende Mediennutzung ab 16 Jahren macht Selbstregulation zur täglichen Aufgabe, und über ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen zeigt eine riskante oder süchtige Nutzung sozialer Medien. In der Schule, dem Ort, an dem junge Menschen den größten Teil ihres Alltags verbringen, wünschen sich viele mehr Mitbestimmung — und finden sie oft nicht.
Diese Zahlen zeigen nur die Oberfläche. Dahinter liegt, bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Geschichten, sehr oft dasselbe: das Gefühl, mit alldem allein zu sein. Ein unerfülltes Grundbedürfnis, nicht wirklich gehört zu werden, keine verlässliche Bindung zu haben — gerade in einer Zeit, in der junge Menschen sowohl als Individuum ernst genommen als auch als Generation aufgefangen werden müssten.
Genau hier setzt Future Voices an. Nicht mit einem weiteren Programm, das über Beteiligung spricht — sondern mit einem Raum, in dem Beteiligung tatsächlich erlebt wird. Nicht, indem junge Menschen nur erreicht werden — sondern indem ihnen echte Verantwortung zugetraut wird. Nicht, indem ihre Stimme nur gehört wird — sondern indem ihr eine wirkliche Wirkung ermöglicht wird.
Future Voices ist deshalb kein Kurs, keine Pädagogik und kein Motivationscoaching. Es ist ein menschlicher Erfahrungs- und Beziehungsraum mit echten Mikroprojekten und Beteiligungsformaten, die im Sozialraum sichtbar werden. Future Voices ist nicht nur ein Demokratieprojekt. Im Kern ist es ein Beziehungsprojekt.
The Forge & The Field — der Weg, den man gemeinsam geht
Future Voices lebt in zwei Räumen, die aufeinander abgestimmt sind wie zwei Seiten derselben Sache.
The Forge
Der gemeinsame Raum: Hier trifft sich die Gruppe regelmäßig, in Präsenz, immer mit denselben Bezugspersonen. Kein Ort, an dem man nur teilnimmt — ein Ort, an dem man ankommt.
The Field
Der individuelle Raum daneben: das eigene digitale Aktionsfeld, in dem jede Person zwischen den gemeinsamen Terminen ihr eigenes Mikroprojekt entwickelt — digital begleitet, im eigenen Tempo, mit Unterstützung, wann immer sie gebraucht wird.
Der Weg durch diese beiden Räume beginnt niedrigschwellig: ein erster, fester Termin, ohne Vorwissen oder Vorleistung — ein gegenseitiges Kennenlernen, kein Vorstellungsgespräch. Von dort aus verschiebt sich über mehrere Monate hinweg langsam das Gewicht: Was zu Beginn von den Mentor*innen angeleitet wird, steuern die Teilnehmenden zunehmend selbst. Parallel dazu entstehen in The Field die eigenen Mikroprojekte — digital verankert, aber mit echtem Bezug zum Sozialraum. Aus dieser Praxis wächst Sichtbarkeit: Ergebnisse und Anliegen werden nach außen getragen, bis hin zum direkten Austausch mit Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Und wenn eine Generation ihren Weg gegangen ist, endet er nicht — er geht über. Erfahrene Jugendbotschafter*innen bleiben Future Voices verbunden und begleiten die nächste Generation beim eigenen Einstieg. So trägt jede Gruppe etwas an die nächste weiter, das größer ist als das, was sie selbst bekommen hat.
Der Rahmen dahinter
- Feste Gruppen von 10 bis 12 Jugendbotschafter*innen
- Eine Selbstfindungsphase von 6 Monaten pro Generation
- Regelmäßige The-Forge-Termine im Abstand von 10 bis 18 Tagen
Pädagogische Begleitung
JB-Mentor*in
Kontinuierliche, feste Bezugsperson über die gesamte Projektzeit — nach dem Prinzip „Sehen statt bewerten, begleiten statt bevormunden“.
Input-Mentor*in & Special Guests
Punktuelle, thematisch vertiefte Impulse, etwa zu Medienkompetenz oder speziellen Themen, ergänzend zur durchgehenden Begleitung durch die JB-Mentor*innen.
Projektverantwortliche und Kontakt
Projektleitung: Christian Goetzke
Wir freuen uns über Ihr Interesse an Future Voices. Gerne können Sie sich mit Fragen, Anregungen oder für weitere Informationen an uns wenden: future.voices@sfd-kassel.de
Der Rahmen des Projekts
Landesförderung
Future Voices wird im Rahmen des Jugendaktionsprogramms Partizipation 2026–2028 des Landes Hessen gefördert, im Wege einer Anteilsfinanzierung durch das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales. Bewilligungsbehörde ist das Regierungspräsidium Kassel. Die Projektlaufzeit läuft vom 01.07.2026 bis zum 31.12.2028.
Wissenschaftliche Begleitung
Evangelische Hochschule Hessen — begleitet das Programm wissenschaftlich, berät es fachlich und wertet die Ergebnisse aus.
Träger
Sozialer Friedensdienst Kassel e.V. — Konzeption, Koordination und Qualitätssicherung des Projekts vor Ort.
Zielgruppe
Primär- und Sekundärzielgruppe umfassen zusammen eine Altersspanne von 10 bis 27 Jahren.