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Stellungnahme zu Kunstwerk auf der Documenta15

Stellungnahme des Antidiskriminierungsnetzwerkes Nordhessen und des Sozialen Friedensdienstes Kassel e.V.

Wir, das Antidiskriminierungsnetzwerk Nordhessen und unsere Trägerorganisation, der Soziale Friedensdienst Kassel e.V. sprechen uns ausdrücklich dagegen aus, dass Kunst, die einen die Menschenwürde diskriminierenden oder diffamierenden Ausdruck hat, in der Stadt, in der wir arbeiten, öffentlich gezeigt wird. Nach unserem Kunstverständnis kann und darf Kunst provozieren, aufrütteln und zum Nachdenken anregen – die Grenzen der Kunstfreiheit sind für uns in unserem humanistischen Arbeitsverständnis jedoch dann erreicht, wenn der Menschenwert und die Menschenwürde einzelner oder spezifischer Bevölkerungsgruppen darunter leiden.

 

Im Kontext der ersten Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Documenta haben wir als Koordination des Antidiskriminierungsnetzwerkes Nordhessen versucht, mit der Documenta in Kontakt zu treten, eine Veranstaltung mit zwei Zeitzeugen aus Berlin sowie für die Documenta kostenfreie Workshops angeboten – eine Antwort blieb leider aus, was wir sehr bedauern.

Wir wünschen uns, dass auf der Weltkunstausstellung Documenta in Kassel nur Kunst gezeigt wird, die die Menschenwürde aller achtet und niemanden diskriminiert. Wir sprechen uns für einen offenen Diskurs aus, der der Kunst ihre Freiheit lässt – aber gleichzeitig die Würde aller respektiert.

Antidiskriminierung passiert, egal ob in Nordhessen oder woanders auf der Welt, nicht automatisch – es ist ein Prozess, der ein Engagement aller benötigt – derer, die von Diskriminierung betroffen sind und derer, die es nicht sind. Es benötigt ein gemeinsames füreinander einstehen, ein einander die Hand reichen und das Finden eines gemeinsamen Konsenses im Rahmen aller Unterschiedlichkeiten.

Das Finden dieses gemeinsamen Konsenses im Rahmen eines Kunstverständnisses, der der Kunst ihre Freiheiten lässt, ohne dabei bestimmte Gruppen oder Individuen zu diskriminieren, wurde unseres Erachtens bislang im Rahmen der Documenta verpasst.

Wir können die Intention nachvollziehen, den individuellen Schmerz über die militärische Situation in Indonesien auch künstlerisch ausdrücken zu wollen – jedoch nicht, dass dies durch die Nutzung antisemitischer Motive passiert.

Die Grundlage von Antidiskriminierung wie auch einer friedlichen Welt ist für uns die Achtung der Würde aller – Vielfalt zu leben, aber Unterschiedlichkeit zu achten.

 

Wir sprechen uns daher weiterhin für die Notwendigkeit eines Diskurses und offener Gespräche aus und freuen uns, wenn die Veranstalter*innen der Documenta diesen – mit uns, der Öffentlichkeit, den Medien sowie allen Beteiligten – führen wollen würden. Hierzu sind wir gerne bereit. Kunst, die Individuen oder Gruppen diffamiert oder deren Würde nicht achtet, hat für uns auf der Documenta jedoch nichts zu suchen.

 

Bei Rückfragen kontaktieren Sie gerne:

Maelene Lindgren, AdiNet Nordhessen

adinet@sfd-kassel.de oder telefonisch 05617126815 oder 017632836648    

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